Wir machen das Shooting bei dir…

Als ich mit Tammy das Shooting plante hatte ich diverse Shootings in Innenräumen mit Menschen wo viel Haut zu sehen war. Bei Tammy hatte ich die Idee die Bilder mit ihr in ihrer gewohnten Umgebung zu machen. So sagte ich zu ihr „Komm wir machen das Shooting bei dir Zuhause.

Der Reiz viel Haut zu fotografieren liegt für mich darin, da ich Kleidung auch wie eine Fassade sehe die zur äußeren Wirkung zählt und nicht unbedingt darstellt wie der Mensch in seinem Inneren ist. Sehr oft höre ich das Wort „Problemzonen“. Warum sind diese Zonen ein Problem? Weil man nicht der von der Modeindustrie erfundenen Norm zum Körperlichen Ideal entspricht? Deshalb seine eigene Schönheit verstecken? Das wollte ich jedoch nur am Rande erwähnen.

Tammy schrieb nach dem Shooting

Saschas Fotos zeigen mich immer charakterlich sehr genau. Er schafft es immer wieder alle meine Facetten zu zeigen. Das ist immer sehr besonders für mich als wenn er, so kitschig es auch klingt, meine Seele nach außen fotografiert

Tammy Homann

Egal ob Menschen vor meiner Kamera Kleidung tragen oder nicht. Ich bin immer auf den Ausdruck im Gesicht fixiert. Ich dränge niemanden in eine feste Pose. Ich denke mir immer, wenn der Ausdruck da ist, passt der Rest der unten am Kopf hängt auch. Mir ist es immer wichtig den Menschen in seiner Art wie er ist zu lassen und nicht an andere Vorstellungen anzupassen. Der Mensch vor meiner Kamera darf bei mir so sein wie er ist.

Tammy schrieb „als wenn er, so kitschig es auch klingt, meine Seele nach außen fotografiert“. Ich finde es ist überhaupt nicht kitschig.

Als der erste Moment kam, das ich bei einem Shooting durch den Sucher meiner Kamera schaute und dachte ich schaute in den Menschen hinein, war ich Tage nach dem Shooting fertig. Ich konnte damit nicht umgehen. Ich war es gewohnt bei Gesprächen mit Worten sehr tief in Menschen gehen und blicken zu können. Dies war schon immer so in meinem Leben und ein gewohntes Gefühl. Dies jedoch nun durch die Kamera sehen und fotografieren zu können war ein neues unbeschreibliches Gefühl.

Die Menschen welche ich fotografierte sagten mir, wenn sie ihre Bilder bekamen „Das bin ich, ich sehe in dem Bild was ich zur Zeit des Shootings gedacht habe, man sieht was ich gefühlt habe und wie es in mir aussah.“

Manche Menschen weinen wenn sie ihre Bilder bekommen, andere hängen vom Kopf her noch Tage nach dem Shooting in dieser Zeit und schreiben mir „Jetzt versteh ich, was Du damit meinst…dass Du ein Bild fühlen musst und die Seele des Menschen fotografieren willst und nicht die Fassade.“

Andere sagen „Man muss es erlebt haben sonst glaubt man nicht was da passiert.“

Ich denke es liegt vielleicht auch daran, dass die Menschen sie selbst sein durften und ich sie so gelassen habe wie sie sind. Nicht demontiert und in eine Form gepresst habe. Sie brauchen sich nicht verstellen, denn ich will sie wie sie sind!

Oft bin ich auf der Suche nach logischen Erklärungen und nach dem „warum“. Dann wiederum bin ich dankbar dies alles erleben und machen zu dürfen. Die respektvolle Verantwortung zu tragen mit der Kamera, der Spiegel zu sein. Der Spiegel dessen, was der Mensch nicht nach außen trägt und dies durch meine Art hervor zu holen und auf den Bildern festzuhalten. Dankbar diesen tollen Weg des täglichen dazulernen mit diesen tollen Menschen gehen zu dürfen.

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